Mittwoch, 12. Mai 2021

Rezension zu "Fucking Karma - oder von Geschichten, die niemals enden" von Arif Kryeziu

 


Alim Taleku leidet an Größenwahn. So scheint es zumindest, wenn der Ich-Erzähler davon berichtet, wie er einen Lügendetektor besiegt, gegen den gefährlichsten Stier des Dorfes antritt oder angeregt von Dumas Graf von Monte Christo aus dem Gefängnis ausbricht. Viel zu fantastisch scheint uns die Realität des Flüchtlings aus Kosova. Doch was wenn Alims Geschichten wahr sind und das Leben wirklich ein großes Märchen ist, das nur im Grau der furchtbaren Realität verschwunden ist? (Inhalt lt. Klappentext)

Alim ist ein Mensch mit vielen Facetten. In einem gewissen Plauderton berichtet er von den vielen Abenteuern, die er erlebt hat. Oder doch nicht? Die Grenzen zwischen Fakt und Fiction, zwischen Traum und Realität verschwimmen immerzu und man darf sich scheinbar aussuchen, was man glauben mag oder nicht. Alim sagt über sich selbst: >>So sehr konnte ich in meine Fantasiewelt entfliehen, dass manchmal die Grenzen schwanden. So sehr, dass ich manchmal nicht wusste, ob ich Mensch war oder Tier, ob ich Mann war oder Frau, ob Vogel oder Fisch.<<

Der Autor, selbst im Kosovo geboren, hat einen angenehmen, wenn auch außergewöhnlichen Schreibstil. Ich konnte ihm gut folgen und er schafft es, einem Glauben zu lassen, dass Alim neben einem sitzt und von seinen vielen Abenteuern erzählt. Dabei findet man sich erst in einem Märchen aus 1001 Nacht wieder um dann plötzlich in der bitteren Realität zu landen. Von Alims Plauderton darf man sich dabei aber nicht blenden lassen, denn diese Realität ist teils sehr blutig und nichts für schwache Nerven! Ungeschönt und direkt lässt der Autor diese bitteren Momente vor dem inneren Auge wahr werden. Aber auch die schönen Erlebnisse und Träume von Alim setzt er mit einigen lustigen und fantasievollen Metaphern gut in Szene, was mir den ein oder anderen Schmunzler entlockte. Ein Prise schwarzer Humor durfte da ebenfalls nicht fehlen. 

Es ist ein ungewöhnliches Buch und ich muss sagen, für mich war es eine Art Blind-Date. Eines, was ich aber genossen habe und ich kann dieses Buch jedem empfehlen!

>>(...) Mit den Abenteuern hattest du recht. Ja, es waren viel zu viele und langweilig war es nicht. Nein, ganz und gar nicht. Aber genug davon. Ich bin im Begriff, ohne einen Autor auszukommen. Ohne meine Geschichte. Ohne mich. Ohne alles.<<

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen