Sonntag, 15. März 2026

Zwei Frauen im Kampf um ein selbst bestimmtes Leben


Der Klappentext gibt nicht viel her, aber in diesem Buch steckt so viel, dass man es nicht weg legen kann:

Es geht einerseits um Cato, die mit ihre zwölfjährigen Tochter vor ihrem Ehemann flieht. Dann geht es um Aletta, die vor Jahrhunderten vor ihrem Verlobten flieht, um ein neues Leben im Nachbardorf aufzubauen und dann geht es um Elias, Catos Enkel, der die Faust gegen eine Mitspielerin erhoben hat und im Sommer zu seiner Oma flieht. Die drei Geschichten sind eng miteinander verwoben und Cato ist diejenige, die u.a. dank eines alten gewebten Teppichs die Fäden zusammen führt und damit sich, ihrer Tochter und schlussendlich ihrem Enkel hilft.

Die Autorin schreibt ganz wunderbar und einfühlsam und hat für jede Perspektive ein eigene Melodie beim Schreiben, wobei Alettas schwermütig ist, Catos auch anfangs, bis sie schneller und lebendiger ist und Elisas´ würde ich mit Rockmusik vergleichen. Erst geht es in Richtung Metal, dann beruhigt es sich und wird zur Ballade. Klingt komisch, aber so lassen sich die Stimmungswechsel der einzelnen Geschichten, die am Ende doch teil des ganzen Großen sind, beschreiben. Auch die Figuren führen einen Wandel durch: Altetta wird zur frommen jungen Frau zur Kämpferin und findet trotz aller Hürden und Gewalt ihr Lebensglück, Cato ist das stille Mäuschen, die nach der Flucht mit ihrer Tochter wieder zu ihrem starken und kreativen "Ich" findet und Elias, der ewig wütende Teenager, der seine Fehler erkennt und sich Hilfe suchen möchte. Es war spannend zu verfolgen und interessant zu lesen, wie sich am Ende die einzelnen Fäden zusammen finden.

Zwischen den drei unterschiedlichen Perspektiven gab es noch ein paar kursiv gedruckte Kapitel, wo eine unbekannte Frau auf der Flucht vor einem ebenfalls unbekannten Mann ist. Die Identität Beider wird im Buch nicht geklärt. Mutmaßungen stehen im Raum, aber der Rest ist der eigenen Fantasie überlassen.

Das Buch ist mein erstes Highlight aus der Literatur und ich habe vor, noch mehr von der Autorin zu lesen.

Donnerstag, 5. März 2026

Absolut fesselnd und herzergreifend




Arvelle verdingt sich als Beschützerin von reichen Leuten, deren Leben durch andere in Gefahr ist. Nach einem Auftrag läuft sie vor ihrer Haustür einem Vampir in die Arme, mit dem sie einen Handel abschließt um ihre Brüder versorgen und den Kranken der Beiden heilen lassen zu können. Das bringt sie zur Auslese und zu dem Mann, der ihr das Herz gebrochen hat. 

Arvelle hat mir als Protagonistin sehr gut gefallen. Als Leser darf man sie als mutige und starke Frau kennen lernen, die aber zum Teil auch sehr verbittert ist. Sie hat nicht nur ihre beste Freundin verloren, sondern auch ihre Mutter und musste jahrelang ihrer großen Liebe hinterher trauern. Zudem trägt sie die Verantwortung für ihre jüngeren Brüder - wer würde da nicht unter solch einer Last kaputt gehen? Aber sie schlägt sich tapfer durch die Geschichte und gibt sogar eine Prise Humor preis. Das hat mir gut gefallen, denn ihrer ist meinem nicht ganz unähnlich. Natürlich durfte in dieser Geschichte die Spannung und das Blut fehlen, auch wenn es zum Teil sehr makaber ist. Außerdem gibt es natürlich das berühmt berüchtigte Prickeln zwischen ihr und Tiernon, dem Primus. Ihre Geschichte ist eine Mischung aus Enemies-To-Lovers und Second-Chance. Ich mag den Vibe der Beiden und die erste spicy Szene kam verhältnismäßig spät in dem Buch. Ich wäre auch gut ohne ausgekommen, aber man wird ja nicht gezwungen, diese zu lesen... Das Ende hat mich natürlich neugierig auf den zweiten Band gemacht, den ich mir hoffentlich bald holen kann... 

        

Ergreifend und tiefgründig



Vios Lebensgeschichte hat mich sehr berührt: aufgewachsen in Rumänien um als kleines Kind nach Deutschland zu kommen, wo alles fremd ist und wo sie versucht, sich anzupassen und mit der Menge mitzuschwimmen. Aus der Erzähler-Perspektive beschrieben begleiten wir sie durch die gesamte Kindheit in Deutschland bis hin zu ihrer Pubertät. Parallel dazu erzählt die Autorin ihre Geschichte  als junge Mutter in der Ich-Perspektive, die nach einem Unfall, bei dem ihr Kind Narben davon getragen hat, in die Depressionen und Schuldgefühle abrutscht, da sie die Werte und Normen, die sie als Kind von ihren Eltern nach der Auswanderung nach Deutschland eingetrichtert bekommen hat, nicht ganz ablegen konnte und auf ihre Tochter überträgt. Die Perspektive hat mir am Besten gefallen, denn ich bin ebenfalls Mutter von einem Kindergartenkind und habe mich in ihr zum Teil wieder gefunden. Aber ich fand auch schade, dass sie sich wegen dem Unfall, der wirklich schlimm ist und mir selbst das Mutterherz gebrochen hat, sich so gehen lassen hat und fast an den Schuldgefühlen erstickt wäre. Dabei konnte man ihr Verhalten und ihre Einstellung dazu gut nachvollziehen, denn neben dem Drang, sich anzupassen und in der Menge nicht aufzufallen, spielt das gute Aussehen der Frauen der Familie eine zentrale Rolle.  Angefangen hat es bei ihrer Vorfahrin, deren Perspektive wir auch begleiten dürfen. Sie möchte selbstbestimmt leben, aber ihr gutes Aussehen wird ihr zum Verhängnis und führt zu einem Fehler, der ihr ganzes Leben auf den Kopf stellt und fast zerstört. Ihre Großmutter und Mutter haben aber die Werte angenommen und Generation für Generation weitergegeben, bis zu Vios Tochter, deren Schicksal diese Kette durchbrochen hat. Ob Vio diese geerbte Haltung abgeben kann und nach vorne blicken kann? Das muss man selbst lesen! 


Die Autorin hat eine wunderbare Art zu schreiben und sie hat mich sehr mit ihren Erzählungen gefesselt. Sie versteht es, ihren Figuren Leben einzuhauchen und ihre Emotionen so darzustellen, dass man als Leser alles mitfühlen kann. Es ist eine Familien-Geschichte, die aktueller nicht sein könnte und die jede Oma, Mama und Tochter lesen sollte.