Sonntag, 11. Oktober 2026

Die sanfte Wucht des Papierfliegers


Das Buch beginnt da, wo viele anfangen: Im Ort der Kindheit und Jugend. Auch unser Protagonist ist gezwungen, sein aktuelles Leben hinter sich zu lassen und zurück nach Hause zu kommen, da der Vater erkrankt ist und zum Pflegefall wird. Während er zusammen mit der Mutter dem Vater beisteht und alles in die Wege leitet, fühlt er sich beengt und gefangen in seiner Situationen.

Das doch recht dünne Büchlein lässt sich eigentlich so ganz gut zusammen fassen. Den Namen des Protagonisten kennen wir nicht, autobiographische Züge lassen sich erahnen. Er hilft dem pflegebedürftigen Vater und vermisst dabei sein freizügiges Leben als freier Autor. Oft nimmt er einen gedanklich mit in die Vergangenheit voller verlorener Beziehungen, Partys und willkürlichen Ortswechsel. Dann wiederum begleiten wir ihn bei der anspruchsvollen Pflege des Vaters und den Versuch, in seiner jetzigen Situation ein wenig Freiheit zu gewinnen. Dabei bekommt man als Leser auch mit, dass er eine Art Blockade hat und mit seiner Kunst in einer Art Sackgasse fest steckt. Doch die Situation bringt ihn dazu neu zu denken und auch sein Leben in die eigene Hand zu nehmen.

Der Einstieg in das Buch hat mir gut gefallen, auch die poetische Schreibweise des Autor hat mich abgeholt und wie er zum Thema Sterben und Tod steht, hat mich an mich selbst erinnert. Aber der Protagonist selbst war mir nicht wirklich sympathisch. Er ist mir zu sehr Freigeist und findet sich in einem strukturierten Alltag schwer zurecht. Was an sich nicht schlimm ist, aber die Art und Weise wie er über sein Leben denkt und was für Prioritäten er setzt, geht mit meiner Einstellung nicht ganz konform. Auch kann ich seine "Leiden" und Handlungen nicht ganz nachvollziehen. Auch seine Art und Weise, wie er sich selbst wahr nimmt, kam bei mir nicht ganz so gut an. Das Ende hat mich auch unbefriedigt zurück gelassen.

Was der Titel nun mit der Handlung zu tun haben soll, ist mir leider auch schleierhaft. Alles in allem war es leider ein Lektüre, die trotz positiver Erwartungen nicht ganz meinen Geschmack getroffen hat. Leider

Eine zauberhafte Geschichte für junge und ältere Erwachsene


Die Autorin nimmt uns mit auf eine besondere Reise im Sonderzug nach Edinburgh. Am Vorabend zu Weihnachten steigen wir in den nostalgischen Zug und finden uns in einem bunt zusammen gewürfelten Abteil wieder. Einmal sitzen da der betagte Albert mit seinem sprechenden Vogel Polly, dann haben wir Gary, der in sein Laptop vertieft ist und ihm gegenüber sitzt Jessie, die sich auf ihre Familie freut aber jetzt schon den Großstadttrubel vermisst und dann haben wir noch den kleinen Kyle mit seiner Mutter, die sich ein besonderes Weihnachtsfest für ihn wünscht. Anfangs ist die Stimmung leicht fremd bis angespannt und jeder ist für sich, abgesehen von ein paar trägen Gesprächen. Kyle taut dann aber etwas die Stimmung auf, als er mit Garys Hund Freundschaft schließt. Doch unsere Reise muss aufgrund des starken Schneefalls notgedrungen pausieren. Da rückt das ganze Abteil zusammen und zarte Bande knüpfen sich. Man lernt die anderen Passagiere besser kennen und erfährt viel über ihre Leben und man merkt, dass alle ihr Päckchen zu tragen haben. Jedes Päckchen wiegt allein schwer, aber zusammen fühlt sich doch alles ein bisschen leichter an. Und Weihnachten lässt sich in der Gruppe doch auch am Besten feiern, oder?

Das Buch hat mich wirklich überzeugt und trotz zum Teil spätsommerlichen Temperaturen von 25 Grad hat mich die weihnachtliche Stimmung sofort in den Bann gezogen. Ich konnte den großen Weihnachtsbaum in Londons Kings Cross sehen, ich konnte die kalte Luft spüren und den warmen Tee riechen. Auch die Figuren selbst waren vielschichtig und der erste Eindruck hat sich bei allen nicht unbedingt bestätigt. Was natürlich meistens so ist. Manchmal mag man einen Menschen nicht auf Anhieb, aber wenn man ihn besser kennen lernt kommen ganz tolle Seiten zum Vorschein. So auch hier in diesem Buch.

Alle haben auch Schicksalsschläge hinter sich oder durchleben gerade eine schwere Zeit. Doch im Laufe des Buches gewinnen sie alle neue Erkenntnisse und erleben so ihre eigenen Weihnachtswunder. Es ist also eine tiefgründige Geschichte, die sich trotzdem leicht lesen lässt und nicht ganz so schwer wiegt. Nach dem Leser hat man ein gutes Gefühl und verlässt bereichert den Sonderzug inmitten der winterliche Idylle Schottlands.

Spannend und strategisch durchkalkuliert

    

Chris Morton hat es wieder getan und war verdammt erfolgreich damit: Er schrieb einen rasanten Thriller und Hauptfiguren waren...Jugendliche. In diesem Werk steht Justus im Mittelpunkt. Nach dem Tod seiner Eltern erbt er deren milliardenschweres Unternehmen. Sein Vormund ist sein Patenonkel. Anfangs dankbar darüber kommt er doch schnell dahinter, dass dieser nur an seine Anteile möchte. Deshalb stellt er ein Team mit Mitgliedern aus dem Darknet zusammen und bringt etwas ins Rollen, was er nicht mehr aufhalten kann. 

Das Buch war von Anfang bis Ende wirklich lesenswert, denn es besteht aus mehreren Perspektiven: Einmal aus Justus´ Perspektive vor dem großen Coup, dann aus der des laufenden Einsatzes und nebenbei lernen wir noch die Mitglieder der Masterminds aus dem Darknet näher kennen. In allen Perspektiven baut sich die Spannung bis zur Unerträglichkeit auf und lässt den Leser nur so durch die Seiten fliegen. Und immer wenn man denkt, jetzt geht alles in die Hose, wird das Steuer gerade noch so herum gerissen. 

Dafür ist der Autor aber mittlerweile bekannt. Seine Figuren rasseln von einem Problem ins Nächste um am Ende dann doch noch haarscharf mit einem blauen Auge davon zu kommen. Außerdem steckt sehr viel Strategie hinter den Handlungen, die ein gewisses Hintergrundwissen erahnen lassen und auch auf Lösungen kommt man als Leser nicht ganz so leicht. Auch der Code, der im Buch genutzt wird und dahin führt, wo die Geschichte am Ende steht, ist schwer zu knacken und das wird dem Leser mehrmals unter die Nase gerieben. Das muss man aber mit einem Augenzwinkern nehmen, denn der Autor verlangt nicht von einem, dass man so ein Genie wie seine Figur Justus ist. Aber gerade dass macht das Buch so unterhaltsam, denn es lässt einen in den Kopf eines Genies blicken. Ich habe aber die leise Vermutung, dass das Prinzip des verwendeten Codes aus anderen Büchern bzw. von andere Autoren stammt. Aber das möchte ich Morton nicht negativ anhaften. Es hat sich gut eingefügt und mich verdammt gut unterhalten. 

Band 2 soll auch demnächst erscheinen und für Fans von Ursula Poznanski ist diese Reihe ein echtes Muss.