Was für ein Buch! Als Frau und junge Mutter habe ich mich viel in Sophies Gedanken und den im Buch vorgestellten Werken wieder gefunden.
Sophie ist eine Künstlerin Anfang 30, die ein Junggesellinnen-Abschied auf Griechenland feiert. Während sie mit dem Kinderwunsch ihres Partners Greg hadert, lebt sie das erste Mal ihre weibliche Lust voll aus und zwar mit dem Tavernenbesitzer Ky. Diese Momente gingen für mich unter die Haut. Es war nicht nur der Akt an sich, sondern auch das, was die Autorin zwischen ihnen beschrieben hat: die kleinen Gesten und Augenblicke. Dann sind da noch die elitären Freundinnen, zu denen Sophie unterschiedliche Verbindungen hat. Auch diese sind komplex und überschattet von Luxus, Erfolg und Neid. Das ist aber nicht ganz greifbar, sondern schimmert immer wieder so zwischen den Zeilen durch. Das hat es interessant gemacht und nicht eindeutig greifbar. Alkohol und Drogen werden mit einer Art Gleichgültigkeit konsumiert, was die (erzwungene) Leichtigkeit dieses griechischen Sommers nur mehr unterstreicht, aber auch die Dekadenz des Ganzen hervor hebt.
Die jeweiligen Partner der Freundinnen - allen voran der Bräutigam - werden nicht ganz ins rechte Licht gerückt. Laut der Autorin stehen sie dem Feminismus im Weg und schränken die Frauen in ihrem Tun und Plänen ein. Nur Ky ist derjenige, der Sophie Energie gibt und ihren Freigeist supported.
Neben den ganzen Themen hat Kunst einen hohen Stellenwert. Zwischen den Kapiteln betrachtet die weibliche Ich-Figur Gemälde von weiblichen Künstlerinnen und philosophiert über deren Schaffen zwischen Künstlertum und Mutterschaft. Die Gemälde gibt es übrigens wirklich und ich habe sie gegoogelt um die Stimmung, die zwischen den Zeilen herrscht, mit einzufangen.
Das Buch ist ein literarisches Meisterwerk, was viele Frauen, gerade im meinen Alter, abholt. Es geht zentral darum, sich zwischen Ehe und Mutterschaft nicht selbst zu verlieren, denn diese Angst haben viele Frauen und hatte auch ich. Ja es ist Arbeit, bei sich zu bleiben und jede Frau muss da ihren eigenen Weg gehen. Und solange nimmt einen das Buch mit nach Griechenland zwischen kulinarischen Feinheiten, kaltem Wasser und trunkener Atmosphäre.
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